Chronikder Willinger Musikkapelle |
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Adagio
im Genusse |
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In dem Buch »Willing in Vergangenheit und Gegenwart«, kulturgeschichtlich dargestellt von Kurat Graf von Schrattenbach aus dem Jahre 1907, wird die Musikkapelle Willing erstmals 1855/56 erwähnt. Gründer war Balthasar Viellechner, Kramer von Willing, der damals schon einige Jahre Kirchenmusiker war. Wie aus dem Trauungsregister der Pfarrei Maria Himmelfahrt am 27. April 1853 zu lesen ist, war Balthasar Viellechner Anwesensbesitzer, Kramer und Musikant |
Gründer Balthasar Viellechner
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| Viellechner
Balthasar Schlemer Georg Helf Nikolaus Viellechner Xaver Schober Johann Mayr Johann Ranner Johann Stigloher sen. |
1. Klarinette (Dirigent) |
Singend und spielend zogen diese acht Mann zur Weihnachtszeit von Haus zu Haus. Bei jedem Haus ohne Ausnahme wurde gesungen oder gespielt, um keinen Verdruss aufzuheben. Man wünschte sich ein Gutes Neues Jahr, darauf wurde die Haustüre geöffnet und zum Eintritt geladen. In der Wohnstube wurde auf Wunsch noch ein Stück geblasen oder gesungen. Auf diese Weise kam die Kapelle bald zu den nötigen Instrumenten, und sie setzte sich wie folgt zusammen:
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| Viellechner
Balthasar Stigloher Josef Helf Nikolaus und Aichner Lorenz Viellechner Xaver Schober Johannes Kaffl Isidor Ranner Johann Mayr Johann Schlemmer Georg |
Flügelhorn und
Dirigent |
In den sechziger Jahren unternahm die Musikkapelle Willing größere Ausflüge, z.B. nach Halfing oder Fischbach a. Inn, wo sie dann zu Fuß zum Petersberg pilgerten um beim Sonnwendfeuer, sowie anderntags beim Gottesdienst mit ihren musikalischen Weisen die Bevölkerung zu erfreuen. H. K Benefiziat Liebl aus Frauenried, der des öfteren Volksfeste veranstaltete, lud die Willinger Musikanten nach Neukirchen ein. Sie fuhren mit der Bahn nach Westerham und gingen wieder zu Fuß über Holzolling, wo sie beim Wirt einige Stücke spielten, um so die lange Wegstrecke mit einigen Maß Bier etwas abzukühlen. Schon außerhalb von Neukirchen wurden sie von einer großen Abordnung mit ihrer Vereinsfahne empfangen. Böller krachten, die Leute säumten scharenweise die Straße, und das Dorf war festlich geschmückt. 15 geistliche Herren fanden sich zu diesem Volksfest ein. Komische Lieder und Szenen wurden von den Neukirchnern und Frauenriedern vorgetragen, aber den Höhepunkt setzte der Posaunist der Kapelle, Johann Mayr, der schon weit bekannt war als versierter Gstanzlsänger. So sang er bei diesem Fest an die 50 politische Schnadahüpfl. Um nur einige zu nennen: |
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Neuli
hat Bismarck gsagt:»Macht geht uor Recht!« Wer
an Bismarck sei Schlauheit An
Bismarck, moant dLeut |
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Die Besetzung der Kapelle blieb sehr lang erhalten, wie es das Bild aus dem Jahre 1878 beweist. |
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| Photographie von 1878 | |
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Nach etwa 30-jähriger Tätigkeit löste sich durch Tod und anderen Ursachen die Kapelle völlig auf. Erst 1896 wurde die Kapelle von drei ehemaligen und sieben neu angelernten Musikern wieder neu gegründet. Die Leitung der neuen Kapelle übernahm Johann Ranner, wie aus der Chronik, die von Josef Stigloher jun. mit sehr sauberer Feder geschrieben wurde, zu ersehen ist. |
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Der erste Auftritt der wiedergegründeten Kapelle war ein Konzert anlässlich der Einstandsfeier des Wirtschaftspächters Michael Nägele im Gasthaus »Willinger Hof« am 24. Juni 1896, wobei die Kapelle schon zur vollsten Zufriedenheit der Gäste spielte. Zu dieser Zeit gab es wenig Musikkapellen, darum musste sich die Willinger Kapelle bei sehr vielen Festen, Feiern und Anlässen beteiligen. Hier ein kurzer Auszug aus der Chronik: |
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| Als 1897 die Pulverfabrik in Stefanskirchen durch Blitzschlag in die Luft flog, konzertierte die Kapelle gerade im Killerschen Garten in Rosenheim. Beim Bezirksfest in Rosenheim am 20. bis 30. Mai spielte die Kapelle fünf Tage in der Bude am Bräu Anger sowie am 23. Mai in der Schießstätte der privaten Feuerschützengeselslchaft von Rosenheim, wo sie von seiner königlichen Hoheit Prinz Ludwig beehrt wurden, wobei die Kapelle die Königshymne und bei seiner Abfahrt den Tölzer Schützenmarsch spielte. |
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| Stehend von
links nach rechts: Mayr Jakob, Bombardon;
Stigloher Josef, Althorn; Ranner Johann, Trompete (Dirigent); Mayr
Marinus, Posaune |
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| Beim Ausbruch des I. Weltkrieges löste sich die Kapelle abermals auf. Letzter Eintrag in der Chronik war 1911, die Trauerfeier des Gründungsmitglieds Josef Stigloher sen. Es konnte dann nur noch durch Herbeiziehen benachbarter Musikkollegen bei kleinen lokalen Veranstaltungen, wie z.B. Christbaumfeiern und Beerdigungen, gespielt werden. Doch die vom Krieg zurückgekehrten Musiker und deren Söhne gründeten 1919 erneut eine Musikkapelle, und sie nannte sich die Einwohnerwehrkapelle Willing/Mitterham. |
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| Die Kapelle war sehr gefragt und zeigt sich nun auf einem Foto aus dem Jahre 1920. |
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| Stehend von links nach rechts: Puff Trompete Es, Sonnenwiechs
Lipp Joh sen. (Kotter), Trompete Es, Mitterham; Gröbmeier Xari
(Brand/), Baßtrompete,
Willing Stigloher Jos. sm (Dirigent),
Althorn, Mitterham; Stoker G. (Knecht b. Wirt i.
Berbl); Flügelhorn, Berbling; Hailer G. (Zehetmeier), Baßtrompete,
Willing Widhammer A.
(Pfeiffer), Horn F, Mitterham; Stigloher Benno (16 Jahre), Schlagzeug,
Mitterham |
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| Der Name Einwohnerwehrkapelle brachte ihnen sehr viele Verpflichtungen. Das Anstrengenste Erlebnis war wohl im September 1920 das Landesschießen der Einwohnerwehr München, wo sie beim Umzug durch die Straßen Münchens spielen mussten. Mit einer nicht zu beschreibenden Begeisterung, so die Chronik, wurden sie in ihrem zugeteilten Quartier »Zum Mathäser« empfangen. Herr Ahrens, ein Münchner, war durch den Erfolg so begeistert, dass er die Willinger zu einem Volksfest nach Wiesbaden verpflichtete. Am 20. September fuhren sie in der kurzen Hose nach Wiesbaden, wo sie sich als Münchner Wildschützenkapelle ausgaben. Die gleiche Begeisterung bei diesem Fest seitens Herrn Ahrens, brachte die Kapelle am 2. Juni 1921 nach Chemnitz in Sachsen. Sechs bis sieben Stunden mussten sie täglich spielen, was für die kleine Besetzung nicht leicht war. Ihr Repertoire reichte ja nicht für den ganzen Tag, so spielten sie die schöneren Stücke zweimal. Der Massenbesuch in ihrer Bierbude bewies aber, dass sie der Aufgabe voll gewachsen waren. |
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Hintere Reihe von links: Stigloher
Benno, l. Tenorhorn; Stocker Georg, Flügelhorn; Gröbmeier
Xari, 2. Tenorhorn; Schal Jos., Flöte |
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| Tiefe Trauer überschattete die Musikkapelle Willing am 17. Februar 1924. Es verstarb infolge eines Schlaganfalles der Chronist und Leiter der Kapelle Herr Josef Stigloher, im 53. Lebensjahr. Musikalisches Wissen und Können, eiserner Wille und zähe Ausdauer waren seine Eigenschaften, die er der Kapelle übertrug. So waren die Hinterbliebenen gerüstet zum Weitermachen. Die Leitung übernahm dann Johann Stigloher. Mit erst 22 Jahren hatte er es nicht leicht, Autorität und Achtung von seinen Kollegen bekommen, aber das geerbte Wissen seines Vaters ließen ihn schnell zum gleichen Erfolg kommen. Er leitete die Kapelle bis 1939, bis er zum Wehrdienst einberufen wurde. |
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| Fotografie 1936, 27. Sept. | |
| Stehend von links nach rechts:
Hailer Hans, Baß; Mayr
Marinus, Posaune; Gröbmeier Xari, Tenorhorn; Stigloher
Hans (Dirigent), Baryton; Lipp Joh. jun., Tenorhorn; Ranner Isidor,
Posaune; Hailer Sebast., Trommel |
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| Während der Kriegszeit übernahm die Führung sein Bruder Benno Stigloher, der nur ganz kurz zur Wehrmacht eingezogen war. Es war nur noch ein Rumpf der Kapelle übrig geblieben. Um den gefallenen Kameraden am Grabe das Lied vom guten Kameraden zu spielen, musste er sich schon Kollegen aus der Stadtkapelle ausleihen. Die Kriegswirren heil überstanden, übernahm dann 1945 Altmeister Johann Stigloher wieder die Kapelle. Nach und nach wuchs jetzt eine neue Musikkapelle heran, die unter seiner Stabführung hohes Ansehen erreichte. Für seine 33 Jahre als Musikant, davon 28 Jahre als Dirigent, möchte ihm ganz Willing jetzt noch danken. 1958 übergab er das Amt dann abermals seinem Bruder, der die Kapelle noch vier Jahre leitete, bis sein Sohn in die Fußstapfen seiner Vorfahren trat. Seit 1962 führte nun Benno Stigloher jun., der eine Orgelschule in München absolvierte, die neue Generation. Wöchentliche Proben, und das Ausbilden junger Musiker trugen dazu bei, das Niveau der Musikkapelle von Jahr zu Jahr zu steigern. Seit 1971 gehört die Kapelle dem Musikbund von Ober- und Niederbayern an, wo sie bei allen Bezirksmusikfesten meistens mit bester Auszeichnung teil- nahm. Die Kapelle zehrt noch heute von dem Können des Benno Stigloher, der die Kapelle 20 Jahre leitete, doch leider aus gesundheitlichen Gründen 1982 zurücktrat. |
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| 1975 | |
| Hintere Reihe von
links: Mayr Marinus, Baß; Porath Hedwig, Flöte;
Zehetmaier Christian, Es Klarin.; Hagn Jos., Flügelhorn; Knoll
Paul, Es Horn; Widhammer Xari, Trompete; Gschwendtner Jos., Tenorhorn;
Hermann Hubert, Baß; Stammler Heidi, Trompete; Pledl Toni,
Tenorhorn; Stigloher Benno, Lyra u. Dirigent |
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| Doch es gab noch einen fünften aus der Familie
Stigloher, dies war Johann Stigloher jun., Sohn des Altmeisters
Johann Stigloher. Er war in der Zeit von 1965 bis 1972 Zweiter Dirigent.
Er brachte die Kapelle weit über die Grenzen von Willing
hinaus in der Unterhaltungsmusik zu hohem Ansehen, was nach seinem
Ausscheiden sein Nachfolger Xari Widhammer mit seinem musikalischen
und hochzeitsladerischen Können in gleicher Weise weiterführte,
der dann die Kapelle 1982 als Leiter und Dirigent übernahm. |
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| 1984 Der sogenannte »harte« Kern, mit dem die Kapelle in den letzten Jahren weit über 50 Hochzeiten spielte. |
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| Stehend von links nach rechts: Mayr Marinus, Willing; Schmid Hans (Schneider), Waith; Gschwendtner Sepp, Götting; Zehetmeier Sepp, Bad Aibling; Stigloher Werner, Willing; Eisner Fredl, Mitterham; Hagn Josef, Waith |
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| Da in Willing kein geeigneter Proberaum mehr für die Kapelle vorhanden war, wurde in eigener Regie 1981 ein Musikstüberl errichtet. Dieser Raum wurde der Kapelle von der Stadt Bad Aibling großzügigerweise in einer städtischen Einrichtung zur Verfügung gestellt. Das mit viel Liebe und Sorgfalt eingerichtete Musikerheim wird als Proberaum und für vereinsinterne Veranstaltungen benützt. Zur Zeit laufen die Proben auf Hochtouren für das am 6. bis 9. Juni 1985 stattfindende 130-jährige Gründungsfest, verbunden mit dem 28. Bezirksmusikfest des Bezirkes Inn/ Chiem. Eine große Freude bereitet der Kapelle, die vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus verliehene Pro Musica Plakette, die in ihrem Heim einen würdigen Platz finden wird. Zur Zeit umfasst die Musikkapelle Willing 27 aktive Mitglieder, davon sind zwei weiblich und drei Jungmusiker. Zwei Interessenten werden innerhalb der Kapelle noch aus- gebildet. Es zählen noch zwei passive und ein Ehrenmitglied zur Kapelle. Es dürfte die Fortführung und Tradition gesichert sein, denn die Zeichen dafür stehen gut. Es gibt im Moment keine Nachwuchssorgen. Die Konzerte und Veranstaltungen sind immer sehr gut besucht. Die Kameradschaft der Musikkapelle ist bestens. Diese Bestandsaufnahme ist erfreulich, gleichzeitig aber auch Verpflichtung der aktiven Musiker, dieses zu wahren und fortzuführen, damit auch die nächste Generation die Kapelle unter positiven Vorzeichen übernehmen und weiterführen kann. |
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| 1985 | |
| Oberste Reihe von
links nach rechts: Gschwendtner
Jos., Tenorhorn; Stigloher Werner, Baryton; Pledl Toni, Tenorhorn
(Horn in Es); Baldemaier Toni, Tenorhorn; Porath Günter,
Tenorhorn; Wallner Markus, Baß Untere Reihe knieend: Eisner Christian, Posaune; Zehetmaier Jos., Posaune; Krattenmacher Stefan, kl. Trommel; Haimerl Franz, Par.; Eisner Alfred, Pos.; Eisner Leonhard, Baryton und Mayr Marinus, Baß, nicht auf dem Bild. |
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| 2005 | |